Danke, Lassie – Von der Höflichkeit im Umgang mit Hunden



Der Tonfall
Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus... Was erwarten Sie, wenn Sie Ihren Hund mit Befehlsworten anschreien? Selbstverständlich müssen Sie ab und an mal einen strengeren Ton anschlagen, das machen Hunde auch untereinander, aber nicht ständig. Brüllt mensch immer nur „Sitz!“, anstatt es einfach nur leise zu sagen, dann findet hund „Sitz!!“ nicht erstrebenswert. Warum auch? Gleichzeitig nutzt sich das Gebrüll ab.
Menschen können Hunden mit freundlichem Tonfall ziemlich leise einzelne Worte sagen, denen sie wie selbstverständlich gehorchen. Dazu muss mensch hund nur lehren, ihm gerne zu folgen. Wie das im Einzelfall zu bewerkstelligen ist, hängt vom jeweiligen Mensch-Hund-Team ab, denn jeder Hund ist anders. Souveräne Menschen, die mit gleichbleibender Freundlichkeit ihre Hunde überall hin mitnehmen und ganz selbstverständlich am Familienleben teilnehmen lassen, werden erleben, daß ihre Hunde einfach deshalb tun, worum sie gebeten werden, weil sie ihre Menschen mögen und ihr Lob ihnen etwas bedeutet.
Die andere Seite der Medaille vom Kasernenhofdrill ist nämlich die Diskussion um das beste Motivationsmittel. Dieses oder jenes Leckerchen soll den Hund motivieren, oder der Click, oder ein Spieli... Dabei ist das beste Motivationsmittel menschs gute Laune – jedenfalls dann, wenn die Chemie zwischen Mensch und Hund stimmt.



Gebrauch kompletter Sätze
Die meisten populären Hundetrainer lehnen den Gebrauch kompletter Sätze im Umgang mit Hunden ab. Sie sagen, damit texte mensch den Hund zu, sodass dieser nicht erfassen könne, was mensch von hund will. Doch es gibt auch ganz andere Erfahrungen.
Im menschlichen Miteinander gibt es zwei Möglichkeiten, man kann einen anderen Menschen knapp ersuchen, etwas zu tun - „Gib mir mal die Butter!“ - oder es zuvorkommend und höflich formulieren: „Könntest du mir netterweise mal eben die Butter reichen?“. Erstens ist der Ton der zweiten Variante freundlicher, weil es sich um eine Frage bzw. eine Bitte handelt, die erste Variante klingt meist ungewollt harsch und unhöflich. Schon deshalb wird die zweite Variante eher zum gewünschten Erfolg führen und den anderen Menschen nicht vergrätzen, denn er tut einen Gefallen und befolgt keinen Befehl. Damit fühlt er sich besser, als gleichwertig behandelt, hoch geschätzt statt gering geachtet.
Zweitens gibt die lange Vorrede dem Angesprochenen Zeit, sich der Situation anzupassen. Vielleicht ist er in Gedanken, unkonzentriert, schläfrig, unaufmerksam. Dann merkt er, aha, ich werde angesprochen, jemand will etwas von mir, und kann sich aufmerksam auf die Frage einstellen, wer was von ihm möchte. Das macht die Befolgung des Wunsches deutlich leichter und beugt Nachfragen vor.
Dasselbe gilt für den Hund.

Wenn mensch seinem Hund unvermittelt „Sitz!“ befiehlt, egal in welchem Ton, kann es sehr gut sein, dass hund zunächst denkt „Was? Wie? Wann?“, weil er gerade aus einem hochkomplizierten Gedankengang geschreckt ist – beispielsweise, ob hund mit der wohlriechenden Hündin von nebenan, die hier eben eine Duftmarke gesetzt hat, wohl wird anbandeln können. Also hat er das Einzelwort nicht richtig registriert, nur mitbekommen, daß er angesprochen wurde, aber nicht, mit welchem Inhalt. So kann er nicht Folge leisten, und mensch denkt, sein Hund wolle nicht gehorchen.
Völlig falsch, er hat nur keine Chance.
Wer dann mit Strafen reagiert, scharfe Worte, Leinenruck oder gar Stachler einsetzt, verspielt das Vertrauen seines Hundes – für ihn kommt derlei aus heiterem Himmel, und wer vertraut einem Unberechenbaren?
Mit einer kleinen Vorrede - „Lassie, machst du bitte Sitz?“ - bekommen Sie nicht nur ganz selbstverständlich den richtigen, freundlich auffordernden Tonfall hin, weil der sich aus solch einer Formulierung von selbst ergibt, Sie geben Ihrem Hund auch die Chance, das Signalwort zu registrieren. Das filtern Hunde aus dem Satz nämlich raus: „aha, mein Mensch will was von mir, ach ja, ich soll mich setzen.“ Das gibt hund die Chance, das Gewünschte zu tun.
Sie können auch die Kurzvariante wählen: „Lassie – (ein Lächeln) – Siiitz!“ in leisem, nettem Gesprächston.

Charakter des Hundes
Bei Kenntnis der Bedeutung der Aufforderung „Sitz“ und gelungener Übermittlung wird sich ein Schäferhund sofort hinsetzen, ein Briard umgehend, ein Husky wird es wohlwollend erwägen.
Dies liegt an den ursprünglichen Lebensumständen jeder Rasse. Schäferhunde müssen auf's Wort gehorchen, ohne nachzudenken, Briards wurde eine gewisse Eigenständigkeit belassen, und Huskies müssen den Gehorsam verweigern, wenn der sie auf zu dünnes Eis führen würde – das rettet dem kompletten Gespann nebst Passagier das Leben.
Beziehen Sie also unbedingt die Eigenschaften, auf welche Ihr Hund ausgelesen wurde, in die Erziehung mit ein!
Warum könnte sich ein Husky nach Überprüfung der Sinnhaftigkeit jenes Wunsches seines Menschen hinsetzen?
Weil es seinen Menschen freut. Kriegt mensch gute Laune, wenn hund etwas für ihn tut, überträgt sich das auf den Hund und ist bereits eine Belohnung – wenn das Verhältnis zwischen Mensch und Hund stimmt.
Für besondere Heldentaten – wie Herankommen auf Zuruf, ganz schwierig für selbständige Rassen – gibt es vielleicht ein herzhaftes, von vielen Menschen belachtes „Gudigudigudiiii!!!“ von seinem Menschen. Hunde lieben solches Gequietsche, es ist so herrlich albern, und zeigt beste Laune, denn das Geräusch versetzt mensch von selbst in gute Stimmung.
Für ein simples „Sitz“ gibt es vielleicht ein höfliches „Danke!“.
„Danke“ ist ein sehr gutes Lob, denn Menschen empfinden etwas dabei. Ist es ehrlich und nicht ironisch gemeint, ist es das schönste Lob, welches Mensch oder Hund bekommen können. Ist es ironisch gemeint, merkt der Angesprochene das ebenfalls und zieht seine Schlüsse.
Streicheln und Schmusen sind ebenfalls gute Belohnungen, sie heben die Stimmung aller Beteiligten und lehren den Hund: Wenn ich auf meinen Menschen reagiere und ihm gerne zuarbeite, dann wird der Kontakt inniger.

Fazit:
Erziehung ist Beziehungsarbeit!

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